Butler-Dienstleistungen hautnah erklärt

Vollendetes, stilisiertes Service-Ritual

Zita Langenstein – in stilechter, perfekter Pose als Butler.

Als George Bernard Shaw die Schweizer als Volk von Hoteliers bezeichnete, konnte er noch nicht ahnen, dass Schweizer auch in einer der wohl typischsten britischen Errungenschaften Hervorragendes leisten – dem Handwerk des Butlers. Zita Langenstein, die Schweizerin, die auszog, um an der renommierten Ivor Spencer School in London dieses Handwerk zu lernen, ist professioneller Butler (sorry, das Englische kennt keine feminine Form). Über ihren Werdegang und ihre Tätigkeit sowie die psychologischen Fähigkeiten dieses Berufs orientierte sie die Mitglieder des Kiwanis Clubs Wädenswil.



Gewundener Weg…

Für Zita Langenstein war schon in früher Jugend an klar, dass sie Butler werden wollte. Doch der Weg dorthin war gewunden. Sie absolvierte zwei Berufslehren im Gastgewerbe, erwarb sich Diplome beim IAP und der Akad als Betriebsausbildnerin und in Management, um endlich an der Ivor Spencer School in London die Ausbildung zum Butler antreten zu können. Dass sie sich dort mehrmals bewerben musste, bis sie endlich aufgenommen wurde, hatte einen nie kommunizierten, politisch höchst unkorrekten Grund: Sie war eine Frau, Butler aber haben Männer zu sein. Ihre Hartnäckigkeit zahlte sich schliesslich aus, und sie wurde aufgenommen.

… in den Buckingham Palace

Heute hat es Zita Langenstein bis in den Buckingham Palace geschafft und dort das englische Königshaus bedient, ferner Kate und Williams bei deren Hochzeitsdinner. Wer nun gehofft hatte, Zita Langenstein würde Details zum besten geben über die Vorlieben und Abneigungen oder Schwächen ihrer Kunden, sieht sich getäuscht. Das wäre stillos, und Stillosigkeit, das wurde anlässlich der Präsentation rasch klar, ist wohl die gröbste Sünde eines Butlers. Überhaupt fällt auf, wie in der Butlertätigkeit das Alltägliche, ja selbst Banale zur gehobenen Stilform und verbindlichen Etikette entwickelt worden ist – vom Öffnen einer Champagner-Flasche mit dem Säbel bis hin zum Waschen eines Autos. 

Ansprüche als «Fest»

Auch beim standesgemässen Köpfen einer Flasche Champagner mit einem Schwert sind Stil, Klasse und Haltung gefragt.

Wenn man Zita Langenstein zuhört, wird rasch klar, dass der Butlerberuf Berufung sein muss: Man muss ihn mögen, in ihm wachsen, den Tag für den Kunden strukturieren und ihm gleichzeitig jeden Wunsch von den Augen ablesen oder besser noch: antizipieren, und zwar von den Arbeiten in Haushalt und Garten bis hin zur Verpflegung. Es geht darum, einen standardisierten Dienstleistungsprozess zu entwickeln, der den Erwartungen entspricht, und diesen laufend fortzuentwickeln. Denn Erwartungen werden rasch einmal als Selbstverständlichkeit hingenommen. Und schliesslich: Fordernde oder reklamierende Kunden sind für einen Butler mehr als eine Herausforderung – sie sind ein «Fest».